Angekündigte Lieferanten-Preiserhöhung verhandeln
Die Situation: Der Getränke- oder Fleischlieferant schickt ein Standardschreiben: „Aufgrund gestiegener Kosten müssen wir unsere Preise zum nächsten Ersten um 9 % anheben.“ Viele Wirte nicken das stumm ab.
1. Deine Daten eintragen
Trage bitte niemals Klarnamen, private Telefonnummern, Diagnosen von kranken Mitarbeitern oder Bankdaten ein. Nutze neutrale Bezeichnungen (z. B. „Tisch 4“, „Herr M.“).
Zwingende Vorgabe: Argumentiere passend zu unserem Preisniveau, Betriebscharakter und Standort aus dem Steckbrief. Leite 3 faire kaufmännische Gegenoptionen (Deckelung auf 3–4 %, verlängertes Zahlungsziel/Skonto oder Wegfall von Anfahrtsgebühren) eigenständig ab.
Aufgabe: Formuliere eine partnerschaftliche, aber kaufmännisch bestimmte Erwiderung auf ein Preiserhöhungsschreiben unseres Lieferanten.
Fakten der Geschäftsbeziehung:
- Warengruppe / Lieferant: Fleischwaren / Schankbiere / Verpackungsmaterial
- Monatliches Einkaufsvolumen & Status: ca. 4.200 € netto, seit 6 Jahren verlässlicher Kunde mit pünktlicher Zahlung
- Angekündigte Erhöhung: 9 % pauschal
Kernargument: Wir können Erhöhungen in dieser Größenordnung in unserem Preissegment nicht an Gäste weitergeben und müssen bei voller Weitergabe Alternativangebote am Markt prüfen.
Praxis-Leitfaden: Lieferantenpreise auf Augenhöhe verhandeln
Viele Gastronomen nehmen Preiserhöhungen zähneknirschend hin, weil die Zeit für zähe Verhandlungen fehlt. Lieferanten kalkulieren bei pauschalen Schreiben jedoch fast immer einen Verhandlungsspielraum ein. Wer sachlich und mit Bezug auf das eigene Einkaufsvolumen widerspricht, spart tausende Euro im Jahr.
„Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr [Name],
vielen Dank für Ihr Schreiben vom [Datum] und die Information zu Ihren neuen Einkaufskonditionen. Seit über sechs Jahren arbeiten wir partnerschaftlich und verlässlich zusammen – mit einem kontinuierlichen Einkaufsvolumen von rund 4.200 € netto monatlich und ausnahmslos pünktlicher Zahlung.
Eine pauschale Preiserhöhung von 9 % können wir in unserem Preissegment und an unserem Standort jedoch keinesfalls an unsere Restaurantgäste weitergeben. Um die Zusammenarbeit auch in Zukunft wirtschaftlich tragfähig fortzusetzen, schlagen wir folgende Kompromisslösung vor:
1. Deckelung der Anpassung: Eine schrittweise Anpassung von maximal 3,5 % ab dem kommenden Quartal.
2. Skonto-Vereinbarung: Erhöhung unseres Skonto-Satzes auf 3 % bei Bankeinzug innerhalb von 5 Tagen.
3. Logistikkosten: Kompletter Wegfall der Anfahrtspauschale bei festen Liefertagen.
Bitte prüfen Sie diesen Vorschlag bis zum [Frist, z. B. 10 Tage]. Sollte eine Anpassung in diesem Rahmen nicht darstellbar sein, müssten wir für diese Warengruppe entsprechende Alternativangebote im Markt einholen. Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihrem Außendienst.
Mit freundlichen Grüßen,
[Name / Betriebsleitung]“
Praxis-Tipps für Schichtleiter & Küchenchef
Pünktliche Zahlung als Hebel
Lieferanten fürchten säumige Zahler. Betone immer deine makellose Zahlungshistorie – sie ist bares Geld wert.
Kompromisse statt Konfrontation
Biete feste Liefertage oder Skonto an. Wenn der Lieferant logistisch spart, gibt er den Rabatt gerne weiter.